Reisetagebuch - Seite 14

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20.02.2002 La Paz / Bolivia - Katastrophales Unwettter!
Siehe CNN News
Sagt mal,
lest Ihr Zeitungen, hoert Ihr Radio, schaut Ihr manchmal Fernsehen??? Oder denkt Ihr:"Unkraut vergeht nicht!"!!
Gestern war hier in La Paz die Hoelle los. Die halbe Stadt war unter Wasser. Es gab mehr als 30 Tote,Haueser sind zusammengestuerzt, die Telefonleitungen und die Stromversorgung ist zusammengebrochen und ratet mal wo ich war?? MITTEN DRIN NATUERLICH!!!!!!
Ich sass gerade in einem Taxi umindie Innenstadt zu fahren, als es anfing zu regnen.
Natuerlich dachten wir alle an nichts Boeses,nur floss immermehr Wasser die Strasse herunter und unser Taxifahrer bekam langsam Panik und fuhr in eine steil ansteigende Seitenstrasse. Und dann kam die Flutwelle. Alles wurde mitgerissen, Autos, Minibusse, Menschen, Hunde,Teile von Geschaeften und Maerkten. Und eine Minute spaeter war die Strasse ein reissender Fluss. Fabian, mein spanischer Freund und Zimmernachbar war zu dieser Zeit auf der Hauptstrasse und versuchte Menschen zu retten und aus dem Fluss zu ziehen. Ich selbst rettete nur einen Vw Kaefer und versuchte dann irgendwie nach Hause zu kommen, was natuerlich unmoeglich war. So rettete ich mich zu Mariana, wo ich dann auch die Nacht mit dieser reizenden bolivianischen Familie verbringen konnte. Aber so etwas habe ich noch nie gesehen, innerhalb von 2 Minuten war alles voller Wasser. Heute laueft deswegen in dieser Stadt auch gar nichts. Freiwillige versuchen Tote zu bergen oder Tunnel freizuschaufeln, ueberall sind Fernsehreporter und viele Strassen koennen nicht befahren werden, da das Wasser riesige Loecher in den Asphalt gerissen hat.
Und dabei hatte ich vorgestern noch so ein lustiges Erlebnis. Ich bin mal wieder in mein Lieblingscafe "Angelos" gegangen und wer spricht mich da an? Hans-Peter Kreis und seine Frau. Das sind Freunde meines Vaters und sie waren zufaellig am gleichen Ort zur gleichen Zeit wie ich und haben mich auch wiedererkannt. Das ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man immer hoert aber nie selbst erlebt. Und La Paz ist nicht gerade eine kleine Stadt und das "Angelos" liegt auch eher versteckt. Ich hoffe sie haben es aus La Paz geschafft.
Naja, enttaeuscht dass ich nichts von euch hoere, verbleibe ich hier in La Paz, Viele Gruesse vom TIM!!!
17.02.2002 La Paz / Bolivia - Verliebt in La Paz
Hallo und herzlich Willkommen,
ich bin immer noch in La Paz, der Stadt, die die meisten Suedamerika-Reisenden als die haesslichste Stadt Suedamerikas bezeichnen. Und ausgerechnet in diese Stadt habe ich mich verliebt. In meinem Reisefuehrer steht, es sei eine der gefaehrlichsten Staedte des Kontinents, viele werden krank wegen des schlechten Wassers, des Essens oder wegen der Hoehe. Aber mir geht es blendend. Alle Motchileros die ich hier kannte sind schon abgereist, aber ich bin hier geblieben.
Ich liebe die Atmosphaere hier, die kolonialspanischen Plaetze, die Bars und Cafes, sogar die stinkenden Busse aus denen die Beifahrer immer alle Fahrziele herausrufen, die Maerkte, in denen man alles kaufen kann, von Talismanen ueber Liebestraenken bis hin zu Schafherzen, die man dann mit Kartoffeln und Knoblauchsauce essen kann.
Meine favorisierte Disko ist Malegria,hier kann ich zu bolivianischen Rock und Ska tanzen, ein Huaricerveza trinken und meine Freunde treffen. Ich habe mich bei 22 sozialen, deutschen Einrichtungen beworben und 22 Absagen erhalten, den deutschen Botschafter kann ich schon duzen und nun habe ich Aussichten in der deutschen Schule Biologie zu unterrichten. Tja, von Biologie habe ich ungefaehr soviel Ahnung wie von den Verkehrsregeln in La Paz, ich glaube es gibt keine, jedenfalls achtet keiner auf rote Ampeln oder Einbahnstrassen und sogar die Verkehrspolizisten haben nichts zu sagen.
Hier im Indigenoviertel kann man schoene billige Souveniers kaufen, man muss nur feilschen und handeln und laecheln und boese schauen und immer die Haelfte des Preises sagen.
Ich bin zwar immer noch Gringo hier, man sieht kaum Leute mit blondem Haar oder blauen Augen und wo ich auch hingehe bin ich immer einen Kopf groesser als alle anderen Personen. Die Musikszene habe ich auch schon kennengelernt, am besten gefaellt mir El Grillo, er ist hier so etwas wie ein Star, aber international total unbekannt.
Die Campesinos kaempfen immer noch gegen das Militaer, so dass nicht allzuviele Gringos in La Paz sind (da fast alle Strassen blockiert sind), was ich sehr geniesse.
So,das wars mal wieder von mir, Gruesse nach Hause, manchmal vermisse ich Euch alle schrecklich, wenn ich nachts auf einem der La Paz umgebenden Bergen sitze und die ganze Stadt ueberblicken kann. Sicher ist, irgendwann werde ich wieder hierhin zurueckkehren, vielleicht auf meiner naechsten Suedamerikareise um dann in den Norden aufzubrechen, aber jetzt werde ich erstmal wieder durch die Strassen schlendern und mit den Markthaendlern um Kaktusfruechte feilschen!!
Gruesse vom TIM!!
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